Im Geiste eines Familienunternehmens mit langfristiger Werteorientierung ist die Steinbeis Holding in nachhaltigen Geschäftsfeldern tätig.



Ferdinand von Steinbeis war Wirtschaftspolitiker und wichtiger Förderer der Industrialisierung in Württemberg, sein Sohn der Unternehmer Otto von Steinbeis.
Lebenslauf
Ferdinands Eltern waren Pfarrer Johann Jakob Steinbeis und Auguste Charlotte Wilhelmine geb. Kerner, eine Schwester des Dichters Justinus, des Publizisten Johann Georg und des württembergischen Innenministers Karl Friedrich Kerner, der als Modernisierer des Hüttenwesens in Württemberg gilt.
Steinbeis wuchs in Ilsfeld auf, studierte in Tübingen und erhielt den
„Doktor honoris causa der Philosophie”. Ab 1827 war er Hüttenschreiber bei der Königlichen Eisengießerei Ludwigsthal bei Tuttlingen, wechselte 1831 in die Dienste des Fürsten Karl Egon zu Fürstenberg in Donaueschingen und wurde 1842 Direktor der Eisenwerke Stumm in Neunkirchen (Saar).
Steinbeis war von 1862 bis 1868 Abgeordneter im württembergischen Landtag. 1878 wehrte er sich erfolglos gegen die Schutzzoll-Politik von Reichskanzler Otto von Bismarck und nahm daher 1880 Abschied von seinem Regierungsamt.
Er starb am 7. Februar 1893 in Leipzig und wurde in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof seiner Wahlheimat Ulm beigesetzt. Die Städte Ulm, Reutlingen, Blaubeuren und Vaihingen an der Enz ehrten ihn mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts.
Ferdinand von Steinbeis war Namensgeber für die Steinbeis-Stiftung, verschiedene Hochschulen, viele Schulen und berufliche Fortbildungsstätten, vor allem in Baden-Württemberg.
Otto Steinbeis wurde in Emmendingen im badischen Schwarzwald geboren. In einer Zeit des technischen Aufbruchs und industriellen Erfindergeistes sah Vater Ferdinand tief greifende Umwälzungen voraus. Dank seines Einsatzes als Präsident der „Zentralstelle für Gewerbe und Handel” konnte in dem von Natur aus armen Württemberg eine Industriestruktur entstehen.
Otto erlebte im Kreis seiner Geschwister eine unbeschwerte Kindheit, geprägt von der Liebe zur Natur und ihrer behutsamen, nachhaltigen Nutzung. Der Vater erkannte die Begabung von Otto, seine Fähigkeit, Zusammenhänge richtig einzuschätzen und praktisch zu nutzen.
So kam er auf die Lateinschule nach Stuttgart, absolvierte zusätzliche Kurse am Polytechnikum und durfte als Zwölfjähriger mit seinem Vater auf „Weltreise” nach London, was einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.
Zielstrebig absolvierte Otto Steinbeis sein Studium und legte in Paris an der Ecole des Mines und Ecole des Ponts ein hervorragendes Examen ab. Danach sammelte er praktische Erfahrungen in den Holzverarbeitungsbetrieben seiner Familie. 1863 – nach Brannenburg gerufen, um erster Geschäftsführer der neu gegründeten „Otto Steinbeis & Consorten” zu werden – nahm er die bayerische Staatsangehörigkeit an; so wurde aus dem Bürger des Königreichs Württemberg ein Inntaler.
Ab 1863 sind Lebenslauf und Firmengeschichte miteinander verwoben. Als anerkannter Fachmann im Holzgeschäft, ideenreicher Konstrukteur und erfolgreicher Industrieller mit vielen Ehrenämter, fand Otto Steinbeis nicht nur im Beruf Erfüllung: Er wurde liebevoller Vater von drei Töchtern und 1872 kam Stammhalter Ferdinand zur Welt. Mit 53 Jahren startete er das „Unternehmen Bosnien”, 1912 baute er die erste Zahnradbahn Deutschlands auf den Wendelstein und expandierte im In- und Ausland.
Dem Firmengründer wurden höchste Ehrungen zuteil: 1912 das Ehrenkreuz des Ordens der württembergischen Krone, verbunden mit dem württembergischen Personenadel, 1914 das Ritterkreuz des königlichen Verdienstordens der bayerischen Krone mit dem persönlichen Adelstitel „von Steinbeis”. Der Erste Weltkrieg brachte bittere Enttäuschungen: Verlust der Auslandsinvestitionen, Gefahr für das Inlandspotenzial der Firma. Zum Überleben musste das Unternehmen gestrafft und konzentriert werden. Die Hoffnungen ruhten nun auf Sohn Ferdinand.
1920 starb Otto von Steinbeis, ein Pionier der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Als einziger Sohn wusste Ferdinand, welche Erwartungen sein von ihm bewunderter und verehrter Vater hegte. Er musste nicht nur die junge Firmentradition fortführen, sondern sich auch auf die Nachfolge des Vaters vorbereiten. Eher theoretisch und musisch begabt, hatte Ferdinand zwar nicht die robuste Konstitution des Vaters, war sich aber der Verantwortung gegenüber Familie, Firma und den vielen Mitarbeitern bewusst.
Ferdinand handelte konsequent: Dem Abitur auf der Lateinschule in Cannstadt folgte eine gründliche und praktische Ausbildung in der Holz- und Forstwirtschaft, die intensive Arbeit in den eigenen Betrieben und ein Studium der Natur- und Forstwissenschaften sowie der Sprachen an der Münchner Universität. 1896 promovierte der 24-Jährige zum Dr. oec. publ.
In den Semesterferien arbeitete Ferdinand bei seinem Vater in den Familienbetrieben: Neue Möglichkeiten der rationellen Waldnutzung wurden erprobt, die Holzverwendung im Eisenbahn- und Brückenbau weiterentwickelt.
Nach der Promotion reiste er zur Weiterbildung nach Ceylon und in die USA. So ergänzten sich Vater und Sohn, wurden Partner. Beide wussten: Wenn ein Baum wachsen soll, darf man sein Wurzelwerk nicht beschneiden. Trotz seiner Pflichten in den heimischen Betrieben, arbeitete Ferdinand auf wirtschaftswissenschaftlichem Gebiet weiter und war zeitweise politisch an führender Stelle tätig, unter anderem als Abgeordneter des Bayerischen Landtags.
Nach dem Ersten Weltkrieg konnte Ferdinand sein umfangreiches theoretisches und praktisches Wissen erfolgreich einsetzen, um die Firmenkrise zu überwinden. 1919 übernahm er alleinverantwortlich die Leitung aller Betriebe. Dem kurzen Aufschwung folgte bald ein allgemeiner Rückgang in Wirtschaft und Industrie. Auch die Steinbeis´schen Unternehmen zwang die Weltwirtschaftskrise zur Konzentration, um die Kontinuität zu sichern. Doch 1932, mitten in den schwierigen Sanierungsbemühungen, starb Ferdinand Steinbeis.
Wie ihr Vater erlebten auch die zwei Söhne und ihre beiden älteren Schwestern in der oberbayerischen Landschaft eine naturverbundene Kindheit. Schulpflichten und spielerische Freizeit hielten sich die Waage.
Otto, der ältere Bruder, begann nach dem Abitur mit einer kaufmännischen Lehre, getreu dem Familien-grundsatz, dass Theorie und praktische Erfahrungen miteinander im Einklang stehen müssen. Nach abgeschlossener Lehre studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule in München. Doch mitten im Studiengang traf ihn überraschend – 1932 – der Tod des Vaters.
In Zeiten großer wirtschaftlicher Krisen musste der älteste Sohn viel zu früh und unvorbereitet die Nachfolge antreten. Die tatkräftige Mutter half, wo sie nur konnte, erfahrene Mitarbeiter der Firma standen mit Rat und Tat zur Seite. Die Sanierung der Firma gelang und allmählich ging es wieder bergauf.
Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Der 29-Jährige wurde eingezogen und kehrte erst 1945 zurück.
Der jüngere Bruder Hermann hatte 1939 die Leitung der Geschäfte übernommen. Nach Abitur, zweijähriger Banklehre und weiteren zwei Jahren Fachausbildung in der Industrie stieg er 1935 gut gerüstet in die Familienfirma ein. 1945 war für die Brüder klar, dass sie das Familienunternehmen gemeinsam leiten würden. Sie waren in ihren beruflichen Neigungen zwar verschieden, aber ihre geistigen und musischen Interessen sowie ihre Liebe zu den Bergen verband sie.
Wichtiger jedoch war, dass sich ihr ausgeprägter Familiensinn auch auf den Zusammenhalt des Unternehmens übertrug. Fast 30 Jahre waren sie für die Firma gemeinsam verantwortlich, die sich ab den späten 60er Jahren ganz auf Papierherstellung und Papierverarbeitung konzentrierte. 1977 starb Otto Steinbeis und Hermann führte die Geschäfte weiter, um sich 1979 nach einem umsichtig eingeleiteten Generationenwechsel aus der aktiven Unternehmensleitung zurückzuziehen.
Heute, nach fast 150 Jahren turbulenter Firmengeschichte, besteht die Familie Steinbeis aus 44 Personen, die ihre Abstammung unmittelbar auf Otto von Steinbeis zurückführen können. 11 Personen gehören zur 4. Generation und 33 Personen zur 5. Generation.
Schwere Krisen in den 90er Jahren konnten erfolgreich gemeistert werden und haben innerhalb der Familie zu Neuorientierungen geführt.
Heute bekennen sich noch 29 Familienmitglieder zum unternehmerischen Erbe von Otto von Steinbeis und setzen die Tradition der Familie als Gesellschafter der Steinbeis Holding GmbH fort. 4 der Teilhaber gehören der 4., 21 der 5. und 4 der 6. Generation an.
